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Codecore

erstellt von Sebastian Schuster zuletzt verändert: 13.08.2015 21:50
ist eine Musikrichtung, in der das Produkt der Musik nicht ein fertig geschriebenes Musikstück ist, sondern ein Algorithmus. Dieser erzeugt eine unendliche Variation einer Musik basierend auf einem Zufallsprinzip oder verschiedenen Datenquellen und Stilelementen, die der Musiker in den Algorithmus eingebaut hat.

Entstehungsgeschichte

Die Ursprünge des Codecore liegt in dem insbesondere in Berlin in den 2040er Jahren beliebten Databass House. Klanglich ist Codecore der ersten Generation dem Databass noch sehr ähnlich. Der Unterschied wird von Genrebegründern in der Art der Klangerzeugung gezogen. Databass Künstler benutzen intelligent verschlagwortete Musikdatenbanken, aus denen sie ihre Musik komponieren, wohingegen im Codecore die Klangerzeugung generisch durch Alghorithmen erfolgt. Frühe Künstler greifen dabei zusätzlich auf Datenbank-Elemente oder gar fest Kompositionen zurück und veröffentlichen gelunge Ergebnisse ihrer Arbeit im klassischen Format einzelner Lieder und/oder Alben. Ab 2054 setzte sich, insbesondere in Südeuropa und Japan ein puristischerer Stil des Codecore durch. Musiker verzichteten konsequent auf jegliche nicht alghorithmische Klangerzeugung. Veröffentlichungen bezogen sich nicht länger auf Musikstücke, sondern auf Alghorithmen. Konsumenten können durch Ausführen des Codes auf eigenen Geräten unendliche Variantion der Musik des Künstlers abspielen.

Entstehung der Subgenres

Modcore

Das Subgenre "Modcore" sieht ein Musikstück als eine Menge von Elementen (oder Modulen, kurz "Mod"), die nach festen Regeln zusammen spielen. Zentral sind die Looplets, die eine Abfolge von Klängen generieren (Melodien, Percussion, etc.) und mit anderen Looplets gleichzeitig oder abwechselnd aktiv sein können. Manche Looplets können mit einem oder mehreren Instrumenten-Modulen verbunden werden, und generieren dann nur die Tonfolge, während das Instrument die Klangfarbe beisteuert.

Looplets können sogenannte Sourcelets als Eingaben benutzen. Diese liefern einen Datenstrom, der dann vom Looplet in die Klangerzeugung eingebunden wird. Das einfachste Sourcelet besteht aus einem Zufallsgenerator. Interessantere Sourcelets benutzen Bilder, Texte oder gar andere Musikstücke als Datenquellen. Auch Aktivität im Netz abzugreifen ist nicht unüblich (Wikipedia-Edits, Commits auf einer Codebasis, ...). Wie genau der Datenstrom zur Musikerzeugung benutzt wird ist dabei dem Looplet überlassen.

Es gibt viele Implementationen solcher modularer Systeme. Manche Künstler nutzen auch mehrere davon parallel, oder sind sogar stolz darauf, selbst welche entwickelt zu haben. Natürlich existieren im Netz Tauschbörsen für Module aller Art und aller Systeme. Aber auch auf Konzerten ist es üblich, dass Fans Module mitbringen und hoch laden, so dass die Musiker live ihre Favoriten aussuchen und in ihre Tracks "pluggen" können.

Sourcecore

Als sich Musiker von den Definitionen und Protokollen des Modcore eingeengt fühlten und zurück zu den Wurzeln wollten, wurde das Subgenre "Sourcecore" begründet. Hier ist ein Musikstück lediglich als Code mit Audio-Output definiert - die innere Struktur bleibt jedem Künstler selbst überlassen. Es bedeutet gleichermaßen eine Zurückbesinnung auf die ursprüngliche Idee des Codecore, als auch eine puristische Weiterentwiscklung dieses Prinzips. Dier Erstellung der Musik wird verstanden als die Programmierung eines ausgeklügelten Zufallsgenerators, der selbsständig in der Lage ist unendliche Varianten des musikalischen Stils des Künstlers zu generieren. Einige Künstler sehen es als Herrausforderung aus einem möglichst allgemeinen Ansatz möglichst viele verschiedene Themen und Klangfarben zu erzeugen, andere versuchen die Qualität der Stücke auf einem durchgängig hohem Niveau zu halten. Als Distributionsplattform dienen vielen Sourcecore Musikern Codesharing-Plattformen, auf denen sie ihren Code veröffentlichen. Von muiskalischen Veröffentlichungen im klassischen Sinne haben sich die meisten komplett losgesagt. Die andauernde Arbeit am Code wird als das eigene Werk betrachtet. Kritiker und Fans beziehen sich in Diskussionen meist auf Codezustände in bestimmten Zeiträumen.

Interaktion in Communities und auf Konzerten ist im Sourcecore zwar für Einsteiger etwas schwieriger, aber durchaus möglich und auch rege betrieben. Die gängige Methode ist, dass jemand, der etwas zu einem Musikstück beitragen möchte, einen Teil des Codes "auscheckt", d.h. herunter lädt und als in Bearbeitung markiert. Hat er seine Änderungen gemacht und ist zufrieden, schickt er eine Anfrage an den oder die Verwalter des Musikstücks. Gefällt diesen die Änderung, schalten sie sie frei und das entsprechende Stück Code wird ersetzt.

Mischformen

Schon früh haben sich Mischformen herausgebildet, die traditionell gespielte Instrumente mit Code-Klängen verbinden. Es gibt Ansätze, über Mikrofone das entstehende Zusammenspiel aufzunehmen und an die Algorithmen zurück zu spielen. Diese sollen so Improvisationen der menschlichen Musiker aufgreifen und auf diese eingehen können. Besonders der Codejazz hat dadurch eine große Anhängerschaft gewonnen, aber auch der Coderock erfreut sich einer lebendigen Fanbasis.

Vocals

Vocals sind im Codecore umstritten, weil sie nicht algorithmisch erzeugt sind. Puristen lehnen sie ab, während andere Musiker leidenschaftlich improvisierte Gesänge oder Raps über ihre Stücke legen. Teilweise wird dafür die Bezeichnung "Voccore" (auch "Vocore") verwendet.

Postcode

Einige Künstler, die von den Versprechungen des Codecore und dem oft damit einhergehenden Technologie-Kult desillusioniert sind, bezeichnen ihre Musik als "Postcode". Sie gehen zurück zu von Hand gespielten Instrumenten oder herkömmlich programmierten Synthesizern. Stilistisch finden sich jedoch oft Elemente des Codecore wieder. Manche Musiker samplen auch selbstironisch Codecore-Stücke oder benutzen ihren Output als Basis für eigene Kompositionen.

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